Seit diesem Jahr begleitet die Liebi LNC AG den Schweizer Biathleten Sebastian Stalder als Sponsor-Partner. Der sympathische Athlet erzählt im Interview exklusiv, wie er auf die vergangene Saison zurückblickt und was seine Ziele sind.




LIEBI: Sebastian, wir haben die Wettkämpfe der vergangenen Saison immer gespannt verfolgt und auch die Daumen gedrückt. Wie ist Dein Blick zurück?
Sebastian Stalder (Sebi): «Für den schnellen Blick war die vergangene Saison nicht schlecht. Vierte Plätze bei den gemischten Staffeln im Weltcup in Antholz oder bei der WM in Nove Mesto und am gleichen Ort beim Massenstart der siebte Rang – das geht in Ordnung. Aber ehrlicherweise sage ich – es ist nicht das, was ich will. Weil ich weiss, dass ich auch in der vergangenen Saison, wie schon ein Jahr vorher, unter meinen Möglichkeiten geblieben bin.»
LIEBI: Natürlich gebt Ihr Sportler auf diesem Niveau immer alles, deshalb tönt auch die Frage immer etwas anmassend – aber an was lag es nach Deiner Einschätzung?
Sebi: «Leistung einzuordnen gehört als Sportler immer dazu und ist eine Frage der Professionalität. Ja, im Biathlon haben wir natürlich immer viele Faktoren, vom Material, über das Laufen bis hin zum Schiessen spielen X Sachen hinein, die über den Erfolg entscheiden. Das Schiessen, würde ich mal sagen, ist weniger das Problem. Ich muss jedoch beim Laufen besser werden.»
LIEBI: Konditionell oder technisch?
Sebi: «Klare Antwort. Beides. Und darauf wird im Sommer, aber auch im Herbst auf dem ersten Schnee der Schwerpunkt des Trainings liegen.»
LIEBI: Wie können wir uns die Trainingsumfänge vorstellen?
Sebi: «Da ich zurzeit eine Ausbildung beim Zoll absolviere – wofür ich übrigens sehr dankbar bin, weil mir das den finanziellen Rückhalt für den Sport und die Zeit danach bietet – waren das in den vergangenen Jahren rund 700 Stunden pro Jahr, die Zielgrösse liegt für die Zukunft bei 800 und mehr.»
LIEBI: Du hast das Material angesprochen. Das Thema ist ja immer etwas undankbar, weil immer etwas im Raum steht, die Verantwortung zu verschieben.
Sebi (lacht): «Ja. Aber ich habe ja wie gesagt einen klaren Blick auf die Sache und wo ich an meinen Möglichkeiten arbeiten will und muss. Aber keine Frage – wir haben vor allem bei den warmen Schneeverhältnissen kein Mittel gefunden, die Ski schnell zu machen. Diese Verhältnisse werden aber wohl in Zukunft auf den Anlagen der niedrig gelegenen Wettkampfstätten der Standard sein.» Wieder ernst: «Leider.»
LIEBI: Haben Wetter und Schnee auch eine psychologische Komponente für Dich? Sebi: «In jedem Fall. Natürlich gibt es Menschen, die sich dazu weniger Gedanken machen und so weniger beeinflussen lassen. Aber mich beschäftigt das schon. Als Wintersportler mögen wir einfach den echten Winter. Mit Minustemperaturen, Naturschnee, verschneiten Bäumen, klarer Luft. Winter halt. Die Vorstellung, dass das immer weniger wird, kann ich grundsätzlich nicht ausblenden. Und ich kann es konkret während den Rennen nicht komplett ausblenden, wenn wir im Januar unter Bedingungen laufen wie sonst im Frühling. Nicht zuletzt – Kunstschnee, warmer Kunstschnee, ist prinzipiell schwieriger zu fahren als Naturschnee. Was ich vielleicht an der Stelle noch sagen möchte – die Gedanken veranlassen mich natürlich auch dazu, im normalen Leben etwas ökologischer unterwegs zu sein. Aber zurück zum Material – der Kunstschnee ist nicht mehr wegzudenken, und deshalb arbeiten wir intensiv daran, die Ski für diese Anforderungen zu optimieren.»
LIEBI: Apropos Optimierung. Kommen wir nochmal aufs Laufen zurück, …
Sebi: «Genau – optimieren ist das Stichwort. Im Eins-Eins und Zwei-Eins auf den flachen Passagen ist noch viel Luft nach oben. Das weiss ich, und das haben wir jetzt auch im Rückblick bei der Analyse mit den Trainern ganz klar adressiert.»
LIEBI: Ganz andere Frage. Wie wünschst Du Dir das Zusammenspiel mit den Sponsor-Partnern?
Sebi: «Ich wünsche mir immer den Austausch auf Augenhöhe. Der Sponsor sollte nicht einfach nur der sein, der Geld rüber schiebt, sondern eben ein Partner, der sich für meinen Sport und mich interessiert und für dessen Arbeit ich mich interessiere. So hat es mich natürlich gefreut, dass ich mich mit Martin und Jürg (die Inhaber von LIEBI) in der vergangenen Saison während und nach den Rennen ausgetauscht habe und sie auch schon beim Wettkampf dabei waren. Das ist mir als eher emotionaler Mensch extrem wichtig. Umgekehrt freut mich, dass LIEBI demnächst bei mir zuhause eine moderne Heizanlage einbaut.» Schmunzelt: «Dann lerne ich jetzt auch mal ihre Performance kennen.»
LIEBI: Frage zum Schluss: Was motiviert Dich für die kommende Saison?
Sebi: «Ich freue mich riesig auf die Heim-WM auf der Lenzerheide. Dort habe ich das feste Ziel vor heimischem Publikum in die Medaillen-Ränge zu laufen. Das wird bei hoffentlich besten Bedingungen ein tolles Fest und beste Werbung für diesen phantastischen Sport. Vielleicht kann ich dann auch schon mal mental am nächsten Event schnuppern: Die Winter-Olympiade 2026 in Antholz. Die Strecke kennen wir bestens und das wird dann näher am olympischen Traum sein als die vergangenen Spiele in Peking.»
LIEBI: Wir danken Dir für das Gespräch Sebi.